Paralympics 2000


Veröffentlicht am 5 Sep 2012, von Hanne Brenner in Erfolge. Kommentare deaktiviert für Paralympics 2000

Das Behindertensportreiten war in Sydney das zweite Mal (nach Atlanta) eine Disziplin der Paralympics. Es waren 72 Reiter aus 22 Nationen am Start im Horsley Park, der 30 km entfernt von Sydney liegt. Insgesamt waren in Sydney 128 Nationen durch mehr als 4000 Athleten vertreten. Somit sind die Paralympics die zweitgrößte Sportveranstaltung der Welt nach den olympischen Spielen.

Das deutsche Team
Das deutsche Team, das am 09.Oktober 2000 nach Sydney flog, bestand aus 6 Reiterinnen (
Hannelore Brenner (Grade 2), Doris Campo (Grade 3), Birgit Dreiszis (Grade 1), Cornelia Müller (Grade 4), Angelika Trabert (Grade 2), Bianca Vogel (Grade 3)), einer Teamchefin (Inga Holdt-Mencke), einem Trainer (Stephan Kiesewetter), einer Krankengymnastin (Inga von der Kuhlen) und einem Betreuer (Thomas Dreiszis).

10 Menschen und kein einziges Pferd
Warum? – Eine Besonderheit im Behindertensportreiten, insbesondere auf internationaler Ebene wie z.B. auf der Weltmeisterschaft oder bei den Paralympics ist, dass zumindest der Großteil der Teilnehmer (bei den Paralympics alle Teilnehmer) auf zugelosten, geliehenen Pferden starten. Somit ist klar, dass ein wesentlicher Teil der Wertung das Einstellen des Reiters auf das Pferd ausmacht. Hier ist zu berücksichtigen, dass das Pferd i.d.R. vorher noch nie von behinderten Menschen geritten wurde und erst lernen muss, z.B. das fehlende Bein eines Reiters nicht als Gewichtshilfe fehl zu interpretieren. Anhand dessen, wie das Pferd geht, kann jeder die Einwirkung des Reiters erkennen und beurteilen. Es ist schon faszinierend, wie schnell sich jedes Pferd auf die „andere Art der Hilfengebung“ einstellen kann und will. Jeder behinderte Reiter kennt seine Einschränkungen und hat gelernt, dem Pferd trotzdem mitzuteilen, was er oder sie vom ihm will (zum Teil mit kompensatorischen Hilfsmitteln). Und siehe da: Das Pferd versteht dieses (zumindest meistens)!
Die Ergebnisse der Paralympics waren also hauptsächlich vom Losglück oder -unglück bestimmt. Die Deutschen hatten in diesem Zusammenhang wohl „mehr Glück in der Liebe…“.
In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass die Australier für uns 72 Reiter(innen) 99 Pferde zur Verfügung gestellt haben, die im großen und ganzen sehr gut waren. Allein 3 Jahre hat sich ein spezielles Team Zeit genommen, diese Pferde sorgfältig aus einem Umkreis von mehr als 1000 km auszusuchen. Wenn man weiß, dass Dressurpferde in Australien sehr rar sind, kann man sich diesen Aufwand ungefähr vorstellen. Zu den meisten Pferden waren auch die Besitzer mit angereist. Meistens bedeutete dies für sie: 3 Wochen Urlaub im „Sinne der Guten Tat“! Oft war auch die ganze Familie dabei. Ich glaube, Pferde haben bei den „Aussies“ einen anderen Stellenwert. Allein durch die Größe der einzelnen Ranch´s sind die Pferde ganz anders „integriert“. Die Besitzer haben jedenfalls ohne Wenn-und-Aber ihre Vierbeiner zur Verfügung gestellt und waren sehr stolz darauf, wenn ihr Pferd „genommen wurde! Wir haben oft gehört, dass die Besitzer – unabhängig davon, welche Nation das Pferd hatte – erstaunt über das „neu gewachsene Können“ ihres Pferdes waren. „So ist … ja noch nie gegangen!“





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