Portrait

Im Oktober 1986 ritt ich im Rahmen einer Landesstandartenprüfung eine lange Vielseitigkeitsprüfung in Luhmühlen (südlich von Hamburg) und stürzte am Ende der Querfeldeinstrecke so schwer, dass ich mir den ersten Lendenwirbel brach und seitdem inkomplett querschnittgelähmt bin. Das bedeutet, dass bei dem Unfall nicht alle Nerven im Rückenmark zerstört wurden, sondern nur ein Teil. Hierdurch bin ich noch in der Lage, mit Hilfe von Stöcken und Schienen bzw. Spezialschuhen zu laufen. Nach der Reha und dem gescheiterten Versuch, mein Leben so weiterzuführen wie es vor meinem Unfall war, bekam ich die Chance, in Heidelberg BWL zu studieren. Das war wohl das Beste, was mir passieren konnte! Hier begann ein völlig neues und aufregendes Leben für mich. Das Reiten wurde verglichen mit dem Rollstuhlbasketball, den ich damals sehr intensiv betrieb, immer mehr zur Nebensache, wenn es auch nie völlig weg war. Ich konnte einfach nicht ohne Pferde leben.

1997 kaufte ich mir mein erstes eigenes Pferd. 1998 kam ich in den B-Kader der Dressurreiter mit Behinderung und durfte 1999 bei meiner ersten Weltmeisterschaft in Arhus, Dänemark dabei sein. Seitdem war ich auf annähernd allen Championaten, egal ob Paralympics, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften dabei und habe unglaublich viel erlebt.

Ende 2007 ist Dorte Christensen in mein Leben getreten. Sie ist meine Trainerin, Beraterin, Vertraute und meine Lebenspartnerin. Mit ihr lebe ich auf ihrer Reitsportanlage (Stall Magic) in einem kleinen Örtchen in Rheinhessen zusammen mit unseren Pferden, Hunden und Katzen. Die Mäuse lasse ich jetzt mal heraus… Durch Dorte habe ich reiterliche Ziele erreichen können, die ich mir niemals vorstellen konnte. Seit ich mit ihr trainiere, habe ich sehr beständige und tolle Erfolge im Behindertensport und im Regelsport bin ich bis zur Klasse S erfolgreich. Zwei Klassen höher als vor meinem Unfall! Das kann ich immer noch fast nicht glauben! Ich verdanke Dorte sehr viel und habe durch Sie und mit ihr das Reiten und den Umgang mit den Pferden viel intensiver, professioneller und – ja, auch besser erleben dürfen.

Beruflich hat sich im Jahre 2009 viel für mich geändert, als ich Telekom verließ und  zu Lotto Rheinland-Pfalz wechselte. Lotto ist der größte Sportförderer im Lande und war mir aus diesem Grund schon viele Jahre gut bekannt. Hier zu arbeiten ist für mich in mehrfacher Hinsicht einfach klasse. Ich werde unterstützt in allen Belangen meines Sports, bekomme frei, wenn Championate, Trainingswochenenden etc. anstehen und stoße immer auf das Verständnis meiner Kolleginnen, wenn mein Sport mich zu irgendwelchen Aktionen zwingt. Zudem habe ich hier meine wirkliche “Berufung” gefunden. Ich unterrichte Menschen, die in Lotto-Annahmestellen arbeiten möchten und stelle fest, dass ich mich als “Trainer” richtig wohl fühle. Ich habe rundum das Gefühl, vollständig als Behinderte in unserer Gesellschaft integriert zu sein und ich bin der Überzeugung, dass Integration bei den Betroffenen selbst beginnt. Wenn wir mit unserem Handicap normal umgehen, tut dies auch unsere Umwelt. Und das sehe ich auch als Verantwortung und als meine Aufgabe.

„Behindert ist nur der, der sich selbst behindert!“